
Datum: 17. März 2006
Die Frankfurter Landtagsabgeordnete von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Sarah Sorge, wirft Sozialministerin Lautenschläger (CDU) vor, die Betreuung von Kleinkindern gegen die von Grundschülerinnen und Grundschülern auszuspielen. Anlass dieser Kritik ist eine Veröffentlichung im Staatsanzeiger vom 20. Februar 2006, in der das Sozialministerium bekannt gibt, rückwirkend zum 1. Januar diesen Jahres keine neuen Hortplätze und qualifizierte Teilzeitbetreuungsangebote mehr zu bezuschussen. Davon wird auch Frankfurt betroffen sein.
„Wir fordern die Landesregierung auf, diese Entscheidung zurückzunehmen. Mit einem Anteil von 7,4 Prozent ist das Angebot an Hortplätzen in Hessen miserabel. Der Bedarf an Hortplätzen umfasst hessenweit rund 40 Prozent, in Frankfurt ist er sehr viel höher. Es besteht also noch eine große Lücke. Dieses Manko wird auch nicht durch Ganztagsangebote oder betreuende Grundschulen aufgefangen, denn davon gibt es noch zu wenige und die betreuenden Grundschulen sind nur Halbtagsangebote. Zusätzliche Hortangebote sind nach wie vor dringend notwendig“, fordert Sarah Sorge. In Hessen gibt es rund 27 000 Hortplätze für die 365 000 Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren. Nach Berechnungen der GRÜNEN wäre ein Angebot von mindestens 40 Prozent bedarfsdeckend.
„Weil die öffentliche Aufmerksamkeit im Moment auf dem Betreuungsangebot von Kleinkindern liegt, glaubt Sozialministerin Lautenschläger die Kleinkinderbetreuung auf Kosten der Hortkinder aufstocken zu können. Das zeigt, dass alles Gerede von Familienfreundlichkeit bei der CDU vorgeschoben ist. Das Land gibt im Jahr 2006 für Kinderbetreuung mit rund 23 Millionen Euro weniger als die Hälfte der Gelder, die Rot-Grün 1999 im letzten Regierungsjahr zur Verfügung stellte. Es ist richtig, dass Hessen mit rund 23 000 fehlenden Betreuungsplätzen für Kleinkinder von einer bedarfsgerechten Versorgung von 20 Prozent mit derzeit real existierenden sechs Prozent weit entfernt ist.
Anstatt nun insgesamt in Kinderbetreuung zu investieren und ein bedarfsgerechtes Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsangebot für Kinder aller Altersstufen zur Verfügung zu stellen, spielt Lautenschläger Eltern und Kinder unterschiedlicher Altersgruppen gegeneinander aus. Es ist notwendig, dass die Eltern von Kleinkindern mehr Betreuungsangebote vorfinden, aber das darf nicht auf Kosten der Eltern geschehen, deren Grundschulkinder dann bereits mittags wieder vor der Haustür stehen“, kritisiert Sarah Sorge.